Fallstudien

Neue Wege beschreiten

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Neue Wege beschreiten

Inhalt

1. Einleitung

Der Demeter-Hof von Herbert Fleck bewirtschaftet 60 Hektar, davon sind 20 Hektar gepachtet. Derzeit werden 48 Milchkühe gemolken und der Großteil der Milch wird in der hofeigenen Molkerei zu Frischmilch und Joghurt verarbeitet. Die Produkte werden mehrmals wöchentlich durch den hofeigenen Lieferservice direkt an 608 Haushalte geliefert. Der Hof Fleck ist Mitglied der Erzeuger- und Vermarktungsgemeinschaft „TischGenossen“.

2. Grundlegende Informationen

Hauptträgers

Herbert Fleck

Beginn der Praxis
Standort

Aichstetten, Germany

Beteiligte Organisationen
  • Landwirt/Senner/Hirte
Gesamtfläche der bewirtschafteten Flächen in ha
  • Der Betrieb basiert auf ca. 60 ha Grünland, wovon 20 ha gepachtetes Land sind.
Eigentumsverhältnisse an dem für die Wanderweidewirtschaft genutzten Land
  • Eigenes Land
  • Gemietetes privates Land
Grundlegende Produkte

Achtundvierzig Milchkühe werden gemolken und der größte Teil ihrer Milch wird in der hofeigenen Molkerei zu Frischmilch und Joghurt verarbeitet. Die Produkte werden mehrmals wöchentlich durch den hofeigenen Lieferservice direkt an 608 Haushalte geliefert. Die Weidehaltung ermöglicht und fördert die Erhaltung offener, artenreicher und attraktiver Landschaften. Im Gegensatz hierzu produzieren andere Landwirte in der Region hauptsächlich Silage und verwenden diese das ganze Jahr über.

NUTS3-Region
DE148 Ravensburg
  • Main Farm

    Farm

  • Stiftung Adlegg

Glossar

3. Situation vor der Inbetriebnahme/ Veränderung/ Fortführung

Herbert Fleck hat den Familienbetrieb von seinen Eltern übernommen. Zum Zeitpunkt der Nachfolge basierte der Hof auf konventioneller Landwirtschaft und der Lieferung an die regionale Molkerei. Herbert Fleck und seine Frau bewirtschaften den Hof mit Hilfe von Familienmitgliedern und Praktikanten oder Lehrlingen. Die Produktionsmethoden haben sich im Laufe der Jahre verändert, angefangen bei „nicht gegen die Natur arbeiten“. Der nächste Schritt war das „Arbeiten mit der Natur“, was zu der heutigen Praxis führte, die Kühe auf die Weiden zu treiben. Herbert Fleck möchte erreichen, dass die Natur für einen arbeitet. 

 

4. Beschreibung der Wanderweidewirtschaft

Landschaftstyp
  • Weiden
  • Wiesen
  • Grasland
Tierart/ Rasse

Herbert Fleck entschied sich, die traditionellen regionalen Tierrassen (Braunvieh, Brown Swiss) zu verwenden und biodynamische Landwirtschaft zu betreiben. Die Zucht zielt auf Gesundheit und Lebensleistung ab, statt auf kurzfristige Maximierung und Kurzlebigkeit der Tiere.

Bewegungsmuster

Die oben beschriebene Denkweise führte zur Einführung eines horizontalen Bewegungsmusters rund um den Hof und zur Zusammenarbeit mit der „Adlegg Foundation“. Der Hof Fleck lässt einen beträchtlichen Teil seiner Jungrinder auf den Flächen der Adlegg-Stiftung weiden. Diese Zusammenarbeit besteht schon seit Jahren. Die hohen Pachtpreise und die Knappheit an Land in der Region machen diese Zusammenarbeit notwendig. Außerdem spart die Zusammenarbeit Arbeit und ist positiv für die Tiergesundheit.

Art der Zusammenarbeit

Die ‚TischGenossen‘, ein Zusammenschluss von sieben Biobetrieben (Milchkühe und Ziegen), ziehen ihre Kälber und Zicklein auf ihren eigenen Höfen nach erhöhten Tierschutzkriterien auf (muttergebundene Aufzucht, Weidegang usw.). Gemeinsam vermarkten sie ihre Produkte direkt an die Kunden.

Angesprochene Märkte/ Produktverkauf

Der Hof Fleck verkauft seine Milchprodukte direkt an die Kunden und vermarktet sein Rindfleisch gemeinsam mit dem Verein „TischGenossen“ direkt an die Kunden.

Bedrohungen und Herausforderungen

Die sich verändernde Wohlstandssituation in der Region kann zu einer Bedrohung für das Geschäft werden. Wenn das Einkommen sinkt, kann der Geldbetrag, den die Menschen bereit sind, für gute, gesunde Ernährung auszugeben, zurückgehen. Gleichzeitig muss sich der Betrieb weiterentwickeln und mit den bestehenden Kunden und den nachfolgenden Generationen in Kontakt bleiben.

5. Getroffene Entscheidungen

Begründungen

Abgesehen von der wirtschaftlichen Perspektive des Familienunternehmens bringt Herbert Flecks Art der Landwirtschaft einen wichtigen Vorteil und eine Einzigartigkeit in Bezug auf die regionale Wertschöpfung mit sich. Die Nutzung von Grünland für die Weidehaltung von Rindern und Milchkühen ist sehr typisch für die Region.

Entscheidung für die Tierart/ spezifische Rasse

Herbert Flecks Entscheidungen bezüglich des Produktionssystems (siehe unten) führten zu einer guten Marktposition, die auf Transparenz und Authentizität beruht. Die Braunviehherde ist eine Rasse, die für diese Art der Landwirtschaft geeignet ist.

Entscheidung für das Produktionssystem

Herbert Fleck begann auf konventionelle Weise mit der Landwirtschaft. Nach einigen Jahren wechselte er zur ökologischen und dann zur biodynamischen Landwirtschaft. Die ökologische und biodynamische Landwirtschaft führte zu einer Umstellung von Stall auf Weide. Ein extensives Produktionssystem wie bei Herbert Fleck kann effektiv und effizient sein. Der Fokus liegt auf höchster Qualität in der Produktion. Deshalb sind die Gesundheit des Bodens und der Tiere wichtige Faktoren auf dem Betrieb.

Diversifizierung des Einkommens

Herbert Fleck ist nah dran an der Natur, an Tieren und biologischen Prozessen. Er kann viel über Agrarkultur erzählen. Die Menschen – andere Landwirte und Kunden – hören ihm gerne zu. Seine eigenen Produktionsmethoden und deren Vorteile vermitteln zu können, ist eine sehr gute Grundlage für die Direktvermarktung von hochwertigen Produkten.

Multifunktionale Aspekte

Herbert Fleck hat sich zum Ziel gesetzt, den Betrieb zu optimieren und einen Generationswechsel zu ermöglichen, der auf einer guten Perspektive für den Betrieb und das Leben basiert.

6. Ausbildung/Fähigkeiten, um das "Geschäft" aufzubauen

Die heutige Situation und die Entwicklung des Hofes basieren nicht auf einer beruflichen Grundausbildung. Sie basiert auf Erfahrung und Austausch mit anderen Landwirten, Reflexionsprozessen und dem stetigen Willen zur Optimierung. Herbert Fleck pflegt eine Kultur der guten Kommunikation und hohen Transparenz sowie eine hilfsbereite und naturverbundene Atmosphäre.

7. Nächste Schritte zum Weiterkommen

Herbert Fleck will alle Schritte von der Produktion über die Verarbeitung bis zum Verkauf (einschließlich der Logistik) weiter optimieren und Tradition und Innovation miteinander verbinden. Er will die Kunden besser einbinden und erkundet gemeinsam mit anderen Landwirten der Region die Marktmöglichkeiten für Rindfleisch zusätzlich zur Milch.

Ein nächster Schritt könnte die Zusammenarbeit mit einer Alp sein. Das Ziel ist es, etwa 20 Milchkühe vom Fleck-Hof für den Sommer auf eine Alp zu bringen. Die Milch würde in der Molkerei der kooperierenden Alp (800 m Fahrt) zu hochwertigem Käse verarbeitet. Der Käse würde direkt vermarktet werden. Die Alp verfügt über genügend Almen, um das von den Milchkühen benötigte Futter zu liefern. Es wäre auch möglich, die Anzahl der Kühe zu erhöhen. Das Heu für die Fütterung der Kühe im Stall könnte in ausreichender Menge von anderen kooperierenden Betrieben produziert werden. Derzeit würden ca. 40 ha Wiesen benötigt.

Auf dem bestehenden Betrieb wird der nächste wichtige Schritt der Generationswechsel und die Übergabe sein.

8. Zitat und Empfehlung des Unternehmers

Sei weiterhin aufgeschlossen! 

Sieh zu und lerne!

Denke über Möglichkeiten der Zusammenarbeit nach. Sei dir bewusst, dass die Zusammenarbeit eine zarte Pflanze ist, die von allen Beteiligten gepflegt werden muss.